Prekäres Radio — über die Situation auf dem Arbeitsmarkt

Geht es dem Radio schlecht? Nein. Werbeerlöse im privaten Hörfunk steigen, die Öffentlich-Rechtlichen müssen sparen, aber am Hungertuch nagen sie noch lange nicht. Aber: Geht es Radiojournalisten schlecht? Auf den Radiotagen in Tutzing haben wir uns auf die Suche nach Radiojournalisten gemacht, die Grund haben zu klagen. Gefunden haben wir erstmal keine. Weder bei den anwesenden Privaten, noch bei den Freien von ARD oder DRadio. Das kann an verschiedenen Gründen liegen, die Radiotage Tutzing sind auch nicht gerade der Treffpunkt des Radioprekariats. Man trifft eher auf Leute wie Jörg Wagner, der mit dem Medienmagazin im RBB großen Erfolg hat:

“Ich bin natürlich unterbezahlt, aber ich jammere nicht. Wenn es Journalisten gibt, die den subjektiven Eindruck haben, dass die Auftragslage schlecht ist, so kann ich sagen, das mag im subjektiven Bereich sein, dass man grad nicht nachgefragt wird, ich kann nicht so viel kotzen wie ich brechen möchte, also ich denke man kann es schaffen, wenn man sich anstrengt…also das ist jetzt so die Formel “Arbeitslose sind selbst schuld” das glaub ich nicht, aber die Lage ist nicht so schlimm, wie sie möglicherweise erscheint.”

Er hat auch eine Theorie, warum es Radiojournalisten gibt, die über ihre Lage klagen. Er glaubt, das seien alles frustrierte Seiteneinsteiger:

“Ich weiß nur, dass viel Seiteneinsteiger im Journalismus  gerade im Radio erstmal anfangen weil es offenbar doch schwerer ist bei der Zeitung oder beim Fernsehen unterzukommen, aber sich beim Radio dann doch schnell zeigt, ob sie diesem Medium gewachsen sind, oder nicht. Also es gibt viele die dann wieder stranden und dann möglicherweise subjektiv den Eindruck haben, dass das ganze Gewerbe irgendwie ein sehr ungerechtes Feld ist. Möglicherweise liegt das dann aber auch an den Kollegen oder an einer gewissen Situation, dass sie gerade dann dazukommen, wenn ihr Produkt, ihre Arbeitskraft gerade nicht gefragt ist. Aber ich denke wir sind alle noch ziemlich komfortabel aufgestellt, wir jammern auf ziemlich hohem Niveau, wir können ganz gut mit den Erlösen leben, die wir generieren.”

Ziemlich provokante These von Jörg Wagner, Medienmagazin, Radio Eins

Aber was denkt ihr? Habt ihr Erfahrungen, könnt ihr von euren Arbeitsbedingungen aus dem Privatradio erzählen? Was verdient ihr? Was kriegt ihr? Vielleicht entsteht dann ein öffentliche Diskussion, die irgend einen Stein ins Rollen bringen kann.

 

Überleben in der Nische: Podcasting 2.0

“Es ist nicht alles schlecht im Journalismus.” Bewusst setzten die Macher der Radiotage den Ausblick nach vorn nach den Vortrag von Herr Pöppelmann der über den Arbeitsmarkt der Hörfunkjournalisten sprach. Als erstes von drei Beispielen wie man trotz der schlechten Zahlen und des vielen Sparens in Nischen überleben kann (sogar ganz gut leben kann) stellte Timo Hetzel sein Projekt Bits und so vor. Weiterlesen

#tura13 aus Sicht eines Onlinejournalisten

Ich, Onlinejournalist, unter etwa 80 Radio-Machern. Wie in einer anderen Welt. Naja, nicht ganz. Journalisten sind Journalisten – ob Print, Radio oder Fernsehen. Sie alle haben die gleichen Ziele, die gleichen Probleme. Die gleichen Probleme? Das möchte ich nach meinen ersten Tutzinger Radiotagen bestreiten. Die Lage mag ähnlich sein, aber sie ist nicht identisch. Fünf Thesen zu den Radiotagen 2013. Weiterlesen

4 Projekt-Ideen zum “wiederentdeckten Hörer”

Erst die Theorie, dann die Praxis. Tag 2 der Tutzinger Radiotage begann klassisch mit Referentenvorträgen. Die Themen: Wahlenberichterstattung, Heimat und die Wiederentdeckung des Hörers. Letzteres offensichtlich ein attraktives Thema für Radioleute, denn ein Großteil der Teilnehmer wollte unter der Leitung von

jan eggers Jan Eggers (HR) und dominik born Dominik Born (diy.fm)

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Der wiederentdeckte Hörer — 12 Hashtags, 12 Antworten

“Der wiederentdeckte Hörer – Wie Hörfunk auch ganz individuell funktionieren könnte”. Moderatorin und Autorin Sandra Müller hat Jan Eggers vom Hessischen Rundfunk und Dominik Zorn von tpc-technology and production center switzerland ag gebeten, positive Beispiele aus ihrer Praxis vorzustellen. Es fielen Schlagworte wie Community, Individualisierung und Inhalte. Diese und weitere Begriffe nahmen wir zum Anlass, ein Hashtag-Interview mit den Dreien zu führen. Jeder bekam vier Hashtags, also vier Schlagworte vorgesetzt und sollte dazu etwas assoziieren. Die Interviews der etwas anderen Art findet ihr hier.

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Wir brauchen mehr Kochsendungen …

Die Tutzinger Radiotage feiern dieses Jahr auch ihren 10. Geburtstag. Neben einem leckeren Buffet und einem Sonnwendfeuer vor der malerischen Kulisse des Starnberger Sees darf natürlich auch die Unterhaltung nicht fehlen. Peter Zudeick, freier Journalist und Kabarettist, hielt eine Art Nachruf auf das Radio: ”Und du sitzt jetzt irgendwo und hörst Radio.” Die klare These: Wir brauchen mehr Kochsendungen im Radio!