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„Mehrwert“ hat keinen Mehrwert!

Können wir den Begriff „Mehrwert“ begraben? Wenn es bei Radio und Fernsehen um Online und Social Media geht, dann wollen alle immer: Mehrwert, Mehrwert, Mehrwert. Dabei ist es einer dieser Begriffe, mit denen wir uns in die Tasche lügen.

 

„Mehrwert“ führt dazu, dass Online zur Resterampe wird

Folgendes passiert immer wieder: Ich gehe als Reporter zu einem Termin, notiere mir die wichtigen Dinge, mache meine Aufnahmen und erinnere mich dann daran, dass mein Chefredakteur noch „was mit Mehrwert“ will. Also stelle ich ein paar Fragen mehr, mache ein paar Fotos mit meinem Handy und fahre dann in die Redaktion.

Weil ich für einen Sender arbeite, baue ich zuerst mein Stück fürs Programm, dann kümmere ich mich um die Website, wofür aber kaum Zeit bleibt. Also kippe ich alles, was ich habe, ins Netz: den Text zum Beitrag, die Rohversion der Interviews und eine kleine Bilderstrecke.

Mit der Frage, was unsere Nutzer denn online überhaupt von uns erwarten, hat das nichts zu tun.

 

„Mehrwert“ führt dazu, dass wir weiter in Haupt- und Nebenmedium unterscheiden.

Hier auf den Tutzinger Radiotagen begegnete mir heute die Frage, was Snapchat denn für einen Mehrwert habe. Die Antwort: gar keinen. Snapchat ist ganz einfach ein weiterer journalistischer Kanal.

Neue Kanäle bedeuten neue Zielgruppen, die nicht zwingend Nutzer unserer anderen Kanäle sind. Die Frage nach dem Mehrwert neuer Kanäle führt in die Irre, weil sie meistens darauf zielt, wie man mit neuen Kanälen das bestehende Hauptmedium stärken kann.

 

„Mehrwert“ verhindert, die Stärken der jeweiligen Kanäle auszuspielen

Die wichtigste Frage ist: Was erwarten unsere Nutzer in einem neuen Kanal von uns?

Was erwarten sie, wenn sie unser lineares Programm einschalten? Was erwarten sie, wenn sie unsere Website besuchen? Was erwarten sie, wenn sie unserer Facebook-Seite ein „Gefällt mir“ spendieren? Was erwarten sie, wenn sie unseren YouTube-Kanal abonnieren? Was erwarten sie, wenn sie uns bei Snapchat folgen?

Nicht die Frage, ob der eine Kanal einen Mehrwert für den anderen hat, ist entscheidend – sondern ob ein neuer Kanal eine sinnvolle Ergänzung meiner Medienmarke ist und sie entsprechend stärken kann.
Als Mehrwert ein Link: Schiwa Schlei und Dennis Horn haben schon zu den Tutzinger Radiotagen 2015 als Diskussionsgrundlage eine unsortierte Liste mit Fehlern in der Digitalstrategie von Radiosendern zusammengetragen.
Bild: Flickr/vjlawson2001, CC BY-SA 2.0

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