6 Formatideen für die Bundestagswahl

Im kommenden Jahr findet die Bundestagswahl statt. Zeit, neue Dinge bei der Wahlberichterstattung auszuprobieren. Hier ist ein Rezeptbuch, das Anstöße für neue Wahlberichtformate gibt.

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#1 Der Alltagscheck

Wie viel Geld kostet der Eintritt im örtlichen Schwimmbad? Wie hoch ist der höchste Kirchturm im Wahlkreis? Wie viel bezahlen Fahrgäste für das Busticket im Stadtverkehr?

Im Alltagscheck soll der Politiker im Wahlkampf beweisen, wie viel er von den Fragen aus dem Alltag seiner Wähler versteht und wie viel er über den Wahlkreis weiß. Es handelt sich dabei um ein eher unterhaltendes Format, in dem Politiker weniger Auskunft über Informelles wie ihre Wahlkampfthemen geben. Weniger Politikinteressierte sollen damit auf die Wahl aufmerksam gemacht werden, indem an ihren Alltag angeknüpft wird.

Für die Onlineumsetzung bietet sich ein Punktesystem an: Für richtige Antworten bekommen Politiker Punkte, und am Ende gibt es je Rubrik einen Sieger im Alltagscheck. Dabei beachten: Beim Hörer darf nicht ankommen, dass „die da oben“ keine Ahnung von den Sorgen des Normalbürgers haben. In der Regel kann aber jeder Politiker in einer bestimmten Themenrubrik punkten, so dass diese Gefahr nicht besteht.

 

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#2 Die transparente Ankündigung

Medien haben ein Glaubwürdigkeitsproblem. Deshalb ist es wichtig, zu vermitteln: Wir sind transparent und legen alles offen. So auch bei der Wahl.

In einem typischen Kollegengespräch kündigen die Journalisten an, wie sie über die Bundestagswahl berichten werden: Welche Themen stehen an? Welche Beiträge sind langfristig eingeplant? Welche Formate setzt der Sender ein? Auf der Senderwebsite stehen dann die Richtlinien, die der Sender in seiner Wahlkampfberichterstattung berücksichtigt.

 

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#3 Das Werteporträt

Politiker sind echte Poser: Seehofer zeigt stolz seine Modelleisenbahn im Keller, und Gabriel führt Boulevardreporter durch seinen Garten. Im Wahlkampf wollen sich Politiker volksnah geben und laden Journalisten deshalb in ihr Zuhause ein. Dabei entstehen typische Homestorys, doch Leser erfahren dabei wenig Sinnvolles, mit sie eine Wahlentscheidung treffen können.

Das Werteporträt geht einen anderen Weg und stellt den Werdegang und die Motivation in den Mittelpunkt. Es erzählt, warum Politiker überhaupt in die Politik gehen wollten, was sie zur Kandidatur bewegt hat und wie sie zu ihren Ansichten kommen.

 

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#4 Das Wahllexikon

Fünf-Prozent-Hürde, Große Koalition, Erst- und Zweitstimme – grundlegende Begriffe, die Wähler kennen sollten, bevor sie zur Wahlurne schreiten. Doch Radiomacher merken in ihrem Alltag, dass Hörer oft nicht wissen, was sich hinter diesen Bezeichnungen verbirgt. Im Wahllexikon vermitteln kurze Erklärstücke deren Bedeutung.

 

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#5 Der Wahl-o-mat

Die Wahl-o-mat-Idee beruht auf dem gleichnamigen Onlinetool der Bundeszentrale für politische Bildung. Nutzer klicken sich durch Positionen aus den Wahlprogrammen der Parteien und können Meinungen zustimmen oder sie ablehnen. „Es müssen mehr Polizisten eingestellt werden“ oder „Wir sollten weiterhin Flüchtlinge aufnehmen“ sind beispielsweise solche Positionen. Am Ende spuckt der Wahl-o-mat die Partei aus, mit der die Nutzer die meisten Übereinstimmungen hatten.

Dieses Prinzip können Journalisten auch im Radio nutzen: Eine Aussage, die auch von einer Straßenumfrage oder aus einem Call-in eines Hörers kommen kann, wird vorgegeben. Der Journalist erklärt dann, welche Positionen die verschiedenen Parteien in ihren Wahlprogrammen dazu haben.

 

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#6 Der Sprachcheck

„Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen“ und „Umfragen sind nur Momentaufnahmen“ sind typische Politikerfloskeln, die Journalisten bei ihrer Arbeit begegnen. Der Sprachcheck soll erklären, was sich hinter ihnen verbirgt und in welchen Situationen Politiker diese Sätze einsetzen.

Der Sprachcheck ist aber nicht nur für Floskeln gedacht. Er soll auch über den Hintergrund von Wörtern aufklären. AfD-Politiker zum Beispiel benutzen in ihren Reden gern das Wort „völkisch“, um ein Wir-Gefühl zu erzeugen. Dabei handelt es sich um einen Begriff, der schon von den Nazis im Dritten Reich benutzt wurde.

 

Die Ideen für die Berichterstattung zur Bundestagswahl 2017 stammen aus dem Workshop „Wahlkampfkommunikation“ unter Leitung von Christoph Ebner, Leiter des SWR-Studios Freiburg.

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