Politikforscher Hilmer: AfD lebt „von der Aufgeregtheit der Männer“

Nach zweistelligen Ergebnissen bei den Landtagswahlen und einer kommenden Bundestagswahl stellen sich Fragen: Wer wählt die AfD und warum? Wird sich die Partei dauerhaft etablieren?

Der Meinungsforscher Richard Hilmer gehört zu den führenden Köpfen der deutschen Politikforschung. Er hat auf den 12. Tutzinger Radiotagen den Rechtspopulismus in Deutschland analysiert.

Nach der Bundestagswahl, bei der die Eurokrise im Mittelpunkt stand, wurde es ruhiger um die AfD. Die Spaltung der Partei führte zu sinkenden Umfragewerten. Mit dem Beginn der Flüchtlingskrise stiegen die Werte wieder, und bei den vergangenen Landtagswahlen erreichte die AfD zweistellige Ergebnisse.

Die Entwicklung der Partei führt zu Fragen, die Richard Hilmer, Mitbegründer von Infratest dimap und Geschäftsführer von Policy Matters, in seinem Vortrag zum Rechtspopulismus in Deutschland aufgegriffen hat.

 

Vor allem im Osten wählen Menschen die AfD

Die Wahlbeteiligung hat bei den vergangenen Landtagswahlen um etwa 10 Prozentpunkte zugenommen. Das ist laut Hilmer teilweise auf den Zufluss von Nichtwählern zur AfD zurückzuführen. Nichtwähler, die den im Bundestag vertretenen Parteien nicht vertrauen, sehen die AfD als Protestpartei.

Bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern haben 25 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen die AfD gewählt. Auch bei den Wahlen in Baden-Württemberg lagen männlichen Wähler mit 6 Prozentpunkten vor den AfD-Wählerinnen.

Ein Unterschied findet sich außerdem im Vergleich zwischen Osten und Westen. Laut Richard Hilmer entscheiden sich im Osten viele Menschen für die AfD aufgrund einer hohen Unsicherheit, was Lebensumfeld, Zukunft und die Nachwirkungen der Geschichte der Bundesrepublik angeht.

Im Gegenteil zur NPD stammten AfD-Wähler meist aus der Mittelschicht, seien selbstständig oder in einem Arbeitsverhältnis. Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sei der Anteil der Selbstständigen maßgeblich für den Erfolg der AfD verantwortlich gewesen.

 

Unsicherheit und Vertrauensverlust spielen eine Rolle

„Die wirtschaftlichen Zahlen und Lebensumstände der deutschen Bevölkerung waren nie besser“, berichtet Hilmer. Auch die Umfragen bei Wählern in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg würden dafür sprechen, dass die Wähler mit der jeweiligen Landesregierung zufrieden sind. Bemerkenswert sei außerdem, dass die Unionswähler in Bezug auf die Zukunft und die Politik die zuversichtlichsten sind.

Die steigende Anzahl an AfD-Wählern auch aus dem Kreis früherer Nichtwähler lässt sich laut Hilmer auf die Unsicherheit und den Vertrauensverlust in die aktuelle Politik zurückführen. Statistisch sei AfD-Wählern eine Medien- und Politikskepsis und die daraus resultierende Enttäuschung über die Politik gemein. Bedenklich sind laut Hilmer die 76 Prozent der AfD-Wähler, die mit der Demokratie an sich unzufrieden sind.

 

Die Angaben stammen aus dem Vortrag „Rechtspopulismus in Deutschland – Wählerpotenzial und politische Orientierung“ von Richard Hilmer, Geschäftsführer von Policy Matters.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *