Workshop Glaubwürdigkeit

Wie kann Radio glaubwürdiger werden? – 7 Tipps für Journalisten

„Lügenpresse“, einseitige Berichterstattung, Meinungsmache: Wir Radiojournalisten müssen uns viele Vorwürfe gefallen lassen. Wie kann Radio wieder glaubwürdiger werden? Damit hat sich ein Workshop auf den Tutzinger Radiotagen beschäftigt. Eine Auswahl der Tipps.

 

#1 Das eigene Handwerk erklären

Wie arbeiten Journalisten? Wie funktioniert Recherche? Transparenz über die eigene Arbeit schafft Vertrauen bei den Hörern. Radiomacher können zum Beispiel erklären, über welche Themen sie nicht berichten und welche Gründe es dafür gibt. Klar machen, was wir über ein Thema wissen – und was nicht!

 

#2 Über den eigenen Sender und seine Probleme berichten

Viele Aufsichtsgremien von Radiosendern sind mit Politikern besetzt. Welchen Einfluss sie haben, können Außenstehende nur schwer erkennen. Das befeuert den Vorwurf, man gehöre zu den „Systemmedien“. Radiomacher können über die Strukturen ihres eigenen Hauses berichten, indem sie zum Beispiel Ergebnisse von Rundfunkratssitzungen veröffentlichen. Das sorgt für Transparenz.

 

#3 Den Stimmen im Radio ein Gesicht geben

Radiomacher, die sich online mit ihrem Werdegang und ihren journalistischen Qualitäten vorstellen, wirken glaubwürdiger.

 

#4 Ansprechpartner für Kritik schaffen

Wer Fehler zugibt und richtigstellt, ist glaubwürdiger. Im besten Fall haben Hörer einen Ansprechpartner für ihre Beschwerden. Das kann zum Beispiel ein Redakteur sein, der sich um Höreranfragen kümmert und sie ins Programm trägt. Damit können sich die Hörer aktiv einbringen und am Programm teilnehmen.

 

#5 Populistische Strategien erkennen und hinterfragen

Populistische Parteien diskreditieren Medien bewusst und mit einer Strategie. Sie provozieren mit Aussagen am Rande der Beleidigung und relativieren sie später. Oft stellen sie sich als Opfer der Medien dar. Tipps aus dem Workshop für Radiomacher: Provokante Thesen hinterfragen! Nicht auf jeden Hype aufspringen. Und manchmal den Mut haben, über Irrelevantes nicht zu berichten.

 

#6 Haltung zeigen – ja oder nein?

Einerseits lässt eine klare Haltung die Persönlichkeit eines Radiomoderators erkennen. Das macht ihn für die Hörer sympathischer und bindet sie an das Radioprogramm. Andererseits gehören politische Meinungen von Journalisten nur in Kommentare. Wenn Moderatoren Meinung erkennen lassen, dann als Analyse und Hintergrund – begründet auf Fakten.

 

#7 Medienhypes nicht mitmachen

„Rudeljournalismus“ nicht mitmachen! Wenn Radiosender weniger aufgeregt und kurzatmig berichten, bleiben sie glaubwürdiger. Statt immer den neuesten Entwicklungen hinterherzurennen, helfen Hintergrund und Einordnung von Ereignissen oft mehr. Redaktionen sollten mehr Zeit schaffen, um Themen vor der Umsetzung zu diskutieren.

 

Die Tipps wurden von Teilnehmern des Workshops „Glaubwürdigkeit“ mit Inge Seibel-Müller (medium magazin/Grimme-Jury Deutscher Radiopreis), Florian Schwinn (hr2-kultur) und Ine Dippmann (MDR aktuell) erarbeitet.

Noch mehr Tipps für glaubwürdiges Radio gibt es auf der Seite der Initiative Fair Radio.

Comments

  • //„Lügenpresse“, einseitige Berichterstattung, Meinungsmache: Wir Radiojournalisten müssen uns viele Vorwürfe gefallen lassen.//
    zu recht… aber nicht nur die Radio-Journajalisten… deshalb heisst es ja auch LuegenPRESSE oder allgemeiner LuegenMEDIEN und haette ich etwas zu sagen, waehren mindestens… naja geschaetzt mal mindestens 75% der heutigen MS-Journalisten am Tuetenkleben oder am Strassenkehren, jedenfalls nicht mehr am journalie-ren…
    Auf die folgende Jammernummer im Artikel gehe ich gar nicht mehr weiter ein, denn das Netz ist voll mit Begruendungen warum man Sie „Luegenpresse“ nennt – und das ist eben nicht nur „Populismus“, sondern wurde in der Vergangenheit immer und immer wieder an Beispielen belegt – auch das, was Sie hier als Teilloesung anpreisen, das Nichtthematisieren von Dingen ist so ein Mittel der Desinformation.
    Und auch in diesem Journalistengejammer-Artikel erkennt man, dass es Ihnen gar nicht darum geht Fehler zu erkennen und zu korrigieren, sondern nur an Ihre bisherigen Methoden festzuhalten und diese als „professionellen Journalismus“ zu verticken, gerne auch mit Marketingtricks wie Einschleimen durch kuenstliche Sympathie-Erweckung und dergleichen.
    Alleine schon, dass Sie hier wieder vom „Populismus“ tippseln zeigt einem mit wem man es zu tun hat.
    Schliesslich moechte ich nicht vergessen zu erwaehnen, dass ich die heutige Luegenpresse sogar fuer schlimmer halte als die kriegstreibenden Politiker, denn letztere koennten ohne die Unterstuetzung der Luegenpresse kaum einen Blumentopf gewinnen – deshalb auch das obige empfohlene Tuetenkleben als Ersatzbeschaeftigung fuer einen beachtlichen Teil Ihrer Kollegen.
    Sie kennen doch die ganzen grossen Blogs, ueber die sich die Leitmedien gelegentlich lustig machen oder sie als Hetzer darstellen, und ueber diese dann auch die kleineren. Dann kennen Sie auch die Vorwuerfe im Detail, und zwar auch die gerechtfertigten und nachvollziehbaren. Also hoeren Sie auf sich dumm zu stellen und sich als unverstandenes Opfer zu verkaufen.

    • Mich stören an Ihrem Kommentar mehrere Dinge:

      – Sie nennen einen von vielen ernsthaften Versuchen, an der Glaubwürdigkeit zu arbeiten, eine „Jammernummer“, statt sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen. Das zeigt mir, dass es Ihnen darum geht, Journalisten und Medien vor allem zu diskreditieren, nicht zu kritisieren.

      – Sie verweisen darauf, dass „das Netz voll mit Begründungen“ sei. Mir ist dieser rhetorische Kniff jetzt schon in diversen Unterhaltungen in Kommentarspalten aufgefallen. Wann immer ich nachgefragt habe, welche Begründungen es denn sind und welche belastbaren Belege es dafür gibt, wurden die Gesprächspartner kleinlaut. Vielleicht ist es ja bei Ihnen anders?

      – Sie werfen den Teilnehmern des Workshops vor, es gehe ihnen nicht darum, Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Wie machen Sie das fest? Warum konkret sind die bisherigen handwerklichen Methoden kein „professioneller Journalismus“?

      – Wo genau sehen Sie „Marketingtricks wie Einschleimen durch künstliche Sympathieerweckung“?

      – Wo genau schlagen die Teilnehmer des Workshops das „Nichtthematisieren von Dingen“ vor, das aus Ihrer Sicht „ein Mittel der Desinformation“ ist? Irrelevantes wegzulassen ist ein Kernpunkt journalistischen Handwerks – genauso das Wissen, dass es über Relevanz unterschiedliche Ansichten gibt und dieses Filtern nicht dazu führen darf, einzelnen Journalisten zuwiderlaufende Meinungen zu verschweigen.

      Ich würde das alles ja gern verstehen, aber Kommentare wie Ihrer reichen mir dafür nicht.

  • Wie gesagt, das Netz ist voll und wuerden Verlinkungen und Zitate nicht staendig von den „politisch korrekten“ Web-Seiten und hier insbesondere die grossen Nachrichtenseiten geloescht und die Kommentatoren gesperrt werden (und zwar auch ohne dass die Kommentatoren unsachlich geworden waeren), dann waeren sie auch tatsaechlich fuer Jedermann unuebersehbar.
    Und nun jammern Sie schon wieder, diesmal also, dass man Ihnen ja nicht sagen wuerde, was man an Ihnen auszusetzen habe, wobei mit „Ihnen“ die MS-Journalistenschaft gemeint ist.
    Halten Sie es fuer einen rhethorischen oder sonstwas fuer einen Trick oder nicht, mir wurscht, aber ich werde mir nun NICHT die Muehe machen Beispiele aufzufuehren und womoeglich darueber diskutieren, weil es nur aufhaelt und viele viele Leute, ich inklusive, das Theater schon vor Jahren durch haben.
    Haette ich etwas zu sagen und koennte besagte 75% der Journalisten zum Tuetenkleben verdonnern, DANN wuerde ich mir auch nochmal etwas mehr Muehe geben, aber doch nicht fuer nichts und wieder nichts und fuer taube Ohren.
    na gut, ein/zwei Quellen. Ist ein wenig Arbeit das alles durchzugehen, aber was kann ich dafuer, wenn Sie jahrelang pennen, und es sollte aber fuer ein kleines Team in ein paar Wochen zu bewaeltigen sein.
    Also ghen Sie beispielsweise alle Artikel von „Alles Schall und Rauch“ oder auch „Hinter der Fichte“ durch. Dort finden Sie viele viele Beispiele von Vorwuerfen – natuerlich nicht in jedem Artikel, aber das ist eben die Arbeit die Sie heute haben weil Sie es jahrelang nicht fuer noetig hielten sich ernsthaft damit zu befassen.
    Nur fangen Sie hier und dort nicht wieder das Jammern an, dass zum Beispiel belegende Videos oder verlinkte Texte nicht mehr existieren, denn die wurden dann schliesslich nicht von den Autoren der Blog-Artikel geloescht und Fragen Sie dann halt bei Ihren Kollegen nach, ob die Ihnen entsprechendes Archivmaterial zukommen lassen koennen.
    Also machen Sie bei Ihrem Workshop eine kleine Diskussionspause und suchen Sie die Vorwuerfe samt Belege:
    http://alles-schallundrauch.blogspot.com/
    http://hinter-der-fichte.blogspot.de/
    … und Eva Hermann, Christoph Hoerstel, KenFM/Ken Jebsen usw. …die Namen kennen Sie doch auch – es gibt also reichlich Quellen mit denen Sie sich auseinandersetzen koennen wenn Ihnen tatsaechlich an Verstaendnis, Fehlererkennung/-beseitigung gelegen ist.

    • Sie können doch nicht einseitige Berichterstattung und Meinungsmache kritisieren, um mir im nächsten Schritt einseitige Berichterstattung und Meinungsmache von Eva Herman, Ken Jebsen und anderen zu empfehlen. Nennen Sie mir doch bitte Quellen, die – wie gesagt – belastbar sind. Oder konkrete Aussagen der von Ihnen Genannten, die belastbar sind. Mir ist da bisher nichts begegnet. Ihnen ist doch daran gelegen, mich zu überzeugen. Dann reicht ein einfaches „Recherchieren Sie doch selbst mal“ nicht, genauso wenig ein Verweis auf komplette Blogs – denn damit wenden Sie genau den Kniff an, den ich in meiner Antwort auf Ihren ersten Kommentar beschrieben habe: abstrakte Verweise, ohne jemals konkret zu werden.

      Ich wiederhole gerne auch noch einmal meine Fragen, zu denen Sie sich nicht äußern:

      – Sie werfen den Teilnehmern des Workshops vor, es gehe ihnen nicht darum, Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Woran machen Sie das fest? Warum konkret sind die bisherigen handwerklichen Methoden kein „professioneller Journalismus“?

      – Wo genau sehen Sie „Marketingtricks wie Einschleimen durch künstliche Sympathieerweckung“?

      – Wo genau schlagen die Teilnehmer des Workshops das „Nichtthematisieren von Dingen“ vor, das aus Ihrer Sicht „ein Mittel der Desinformation“ ist? Irrelevantes wegzulassen ist ein Kernpunkt journalistischen Handwerks – genauso das Wissen, dass es über Relevanz unterschiedliche Ansichten gibt und dieses Filtern nicht dazu führen darf, einzelnen Journalisten zuwiderlaufende Meinungen zu verschweigen.

  • Ich fand und finde die Erwaehnung von Frau Hermann, Herrn Hoerstel und Herrn Jebsen unter anderem deshalb hier passend, weil es alle drei Ex-MS-Journalistenkollegen sind, sie die Gepflogenheiten in Ihren Kreisen also sehr gut kennen.
    Der/die Einzelne der alternativen Medien mag vielleicht einseitig sein, die Summe ist es jedenfalls nicht, was man von Ihrem Einheitsqualitaetsjournalismus kaum ernsthaft behaupten kann.
    Sie koennen sich selbstverstaendlich eigenstaendig und auch andere Quellen suchen als meine oben VORGESCHLAGENEN, die noch nicht zu muede sind Ihnen zu erklaeren, was sie an der MS-Journalistenschaft auszusetzen haben, aber damit scheinen Sie sich ja eben schwer zu tun.
    Also lesen Sie obiges/hoeren sich obige an oder lassen es.
    Es sollte nur die meisten Ihrer Fragen beantworten, nicht speziell zum Workshop, aber zum MS-Journalismus.
    Bzgl. des Workshops werden wir dann ja sehen was bei rum kommt.
    ICh allerdings habe aufgehoert mir Illusionen zu machen, dass unter den bisherigen Umstaenden, welche es auch immer seien moegen – auch das werde ich hier nicht ausdehnen, sich etwas nennenswert zum Positiven hin aendert.
    Wieso stellen Sie sich ueberhaupt die Frage wie Sie GLAUBWUERDIGER werden?
    Werbefirmen oder Propagandaorgane stellen sich Fragen dieser Art.
    Moeglicherweise kommt die Glaubwuerdigkeit von alleine wenn sie die Frage geklaert haben wie sie z. B. wahrheitsgetreuer und unabhaengiger werden.

    Stichwort „Glaubwuerdigkeit der Propaganda“ im Zusammenhang mit den jungen Zuschauern (weil es gerade noch in einem anderen Fenster offen ist und selbst fuer Brettergymnasiasten so superleicht zu erkennen ist – ICH habe KEIN Abitur), und da koennte ich gerade wieder los kotzen – das wurde auch noch mehrfach widerholt!:
    https://www.youtube.com/watch?v=whSWvQR8WbA
    oder… Moment… *such* …fuer Erwachsene – und hier ganz besonders das „journalistische“ Ende *kotz*:
    https://www.youtube.com/watch?v=QQuhH0hsGxE
    Und nun wollen Sie (Plural) mir erzaehlen, dass Sie nicht wissen, was Sie da treiben/anrichten??? BEISPIELSWEISE! Es gibt viele solcher Klopper aus allen moeglichen Themenrichtungen, Sie arme unverstandenen Opfer!
    So, und jetzt hab ich keinen Bock mehr! Das geht mir naemlich maechtig an die emotionale Substanz!

  • In einem Blog-Kommentar gefunden – das sollte Sie interessieren:
    http://www.neopresse.com/medien/zeit-chefredakteur-zur-fluechtlingskrise-wir-haben-zu-regierungskonform-berichtet/
    Sehen Sie, Sie wissen es doch selber.
    Erwaehnter Kommentator, der nicht ich bin, dem ich aber natuerlich VOLLKOMMEN zustimme:
    „““
    Schleim -Zeit..und zu späte Einsicht!
    Die Rudel-Journaille kriecht zu Kreuze!
    „““
    und
    „““
    Zu späte „Einsicht“ der Lügner… Die haben Angst vor Jobverlust und dem Abkacken der Printmedien..und TV-Einschaltqouten!
    …..mehr nicht!
    „““

  • Halloechen! 🙂
    Wie die Zeit vergeht – bald schon wieder Oktober und der wird wahrscheinlich sogar noch „besser“ als der letzte…
    Wollte jedenfalls mal nach dem Wetter schauen und noch ein Video zum Thema einstellen…
    Naja, die Frau Zimmermann wuerde wohl weniger Klartext reden, wuerden ihre Artikel noch gekauft, denn das RT-Interview haette sie ja auch frueher geben koennen – aber klar, erst mal abwarten, ob der WDR wirklich nix mehr kooft, gelle.
    Und dann wieder das typische Gewimmer… na egal… immerhin etwas ausfuehrlichere Erlaeuterungen zu dem damaligen Holland-Interview – so aehnlich wie das, was ja auch Wolfgang Herrles im DLF seinerzeit sagte:
    https://www.youtube.com/watch?v=cj11eI30n3E

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