Zwischen allen Stühlen?

Von WLAN im Studio und Hörer-Apps: Ein hochkarätiges Panel zur Medienpolitik ließ uns mit Fragezeichen zurück. Fünf Gründe, warum sich im Radio in den nächsten zehn Jahren nicht viel ändern wird, weder im Öffentlich-Rechtlichen noch im Privaten. Oder doch?

Bild-Panel

Die sprichwörtliche Personifizierung des dualen Rundfunksystems gab sich die Ehre, als Jörg Wagner vom radioeins-Medienmagazin zur Diskussion rief. In the left corner: Dr. Michael Kühn, als „Bevollmächtigter des ARD-Vorsitzenden im ARD-Generalsekretariat in Berlin“ für so manchen ein Sinnbild des öffentlich-rechtlichen Apparats. Zitat: „Wir müssen Vertrauen bilden und verlässlich sein.“ Kühns Ringpartner in der rechten Ecke: Hans-Dieter Hillmoth, seines Zeichens Geschäftsführer und Programmdirektor von Hessens größter Privatradio-Familie Hit Radio FFH. Zitat: „Radio wird weiterhin ein Unterhaltungsmedium sein“.

Das Thema des Panels lautete etwas sperrig: „Radio zwischen allen Stühlen – Politik. Geld. Gesellschaft.“ Eigentlich ging es darum, wohin es denn gehen wird, mit dem Radio. Das Duell war abwechslungsreich, zwischendurch übten sich beide Panelspeaker in trauter Harmonie, aber immer wenn es zu kuschelig wurde, sorgte Moderator Jörg Wagner mit den richtigen Nachfragen dafür, dass die Spannung zurückkam. Trotzdem entließ er das Publikum „mit vielleicht ein paar Fragezeichen mehr, als wir am Anfang hatten.“

Fünf Gründe, fünf Fragezeichen

Auch wir blieben am Ende mit ein paar Fragezeichen zurück, was uns zu der Annahme brachte: In den nächsten zehn Jahren wird sich im Radio nicht viel ändern. Oder etwa doch? Fünf Gründe, fünf Fragezeichen. Und ein paar Twitter-Meinungen.

  • Die Politik. ARD-Mann Kühn: „In Frankreich gibt es seit ein paar Jahren ein Gesetz, das Autobauer dazu zwingt, in Neuwagen DAB-Radios einzubauen. In Deutschland hat sich die Regierung dazu leider nicht durchgerungen.“ Hillmoth pflichtet ihm bei: „Medienpolitik in Deutschland ist immer noch ein Stiefkind in der Politik. Das ist kein Feld, wo sich Politiker profilieren können. Deshalb gibt es manchmal ‚interessante‘ Entscheidungen“. Aber Kühn sagt auch: „Mittelfristig wird sich analoge Technologie nicht halten können.“ Oder?
  • Die Journalisten. Vor dem Panel stellte Jörg Wagner seinem Publikum Martin Knabenreich von Radio Bielefeld zwei Fragen: „Wer denkt, dass er in zehn Jahren noch genauso arbeiten wird wie heute?“ Die Mehrzahl der Hände ging nach oben. „Wer denkt, dass das Haus bei dem er arbeitet in zehn Jahren noch besteht?“ Diesmal gingen noch mehr Hände hoch. Fühlen wir uns zu sicher?
  • Das Internet. Wagner erzählte von einem ARD-Fernsehstudio, in dem es kein WLAN gab. Für Kühn ganz normal: „Sicherheit geht vor.“ Und weiter: „Ich bin mir nicht sicher, ob das Internet all die Versprechungen halten wird, die man jetzt so prognostiziert.“ Wirklich?

  • Entwicklungsredaktionen. Wagner fragte, ob Hit Radio FFH eine Entwicklungsredaktion habe, die neue Formate ausprobieren kann, bevor sie on air gehen. Hillmoths Antwort: „Radio ist jeden Tag seine eigene Hexenküche, da brauchen wir keine eigene Abteilung dafür. Wir merken, dass Radio weiterhin ein Unterhaltungsmedium sein wird.“ Aber er schränkt ein: „Wir müssen uns jeden Tag neu erfinden.“ Reicht das?

  • Zuhörerbeteiligung. Hit Radio FFH hat eine App, mit der man theoretisch User Generated Content hochladen kann, ähnlich den Bild-Leserreportern. Doch so richtig scheint er nicht überzeugt zu sein: „Wir nutzen das eher sporadisch.“ Brauchen wir das eigentlich?

3 Kommentare

  1. Kleine Korrektur: Es war nicht Jörg Wagner vor dem Panel, es war Martin Knabenreich vor der Visionen-Runde, der die Frage nach dem Radio in zehn Jahren gestellt hat.

    Ansonsten: Wie wahr. Die Runde hat viele Fragen hinterlassen. Und zwar nicht nur fachlich-sachlich-sinnvolle, sondern – bei mir zumindest – auch mehere verwirrende „hä?“. Schade.

  2. Sandra, ich glaube das war symptomatisch für die Entscheider der Branche – es gibt wohl auch mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen. Es gibt halt auch nicht so den Drang, dass Ausrufezeichen gefunden werden – schade.

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