Symbolbild Social Media

Ursachenforschung und Hilfsmittel gegen Hass im Netz

Hass und Empörung im Internet sind inzwischen alltäglich geworden. Wie Skandal- und Empörungsmuster entstehen und wie Journalisten damit umgehen können, darüber sprach Dr. Hanne Detel in Tutzing.

Was wenn plötzlich von allen Seiten nur noch Hass kommt und alle Beteiligten davon komplett überrannt werden? In Zeiten von Social Media ist dieses Szenario keine Seltenheit mehr und kann jeden treffen. Welche Mechanismen hinter Empörungsmustern stecken können, hat Dr. Hanne Detel von der Eberhardt Karls Universität Tübingen untersucht und als Eröffnungsvortrag bei den Tutzinger Radiotagen 2018 vorgetragen.

Früher, vor dem digitalen Zeitalter, seien öffentliche Empörungswellen aus den traditionellen Medien gekommen. Der „Aufreger“ durchlief einen redaktionellen Prozess. Medien berichteten über viele Missstände aber nur etwa 5-10% dieser Missstände wurden tatsächlich zu Skandalen.

Heute hat sich laut Dr. Hanne Detel die Situation gedreht. Die Recherche finde nicht mehr vor der Publikation, sondern nach der Publikation des Quellmaterials statt. Alles wird publiziert und die breite Masse entscheide was die Aufmerksamkeit erhält. Medien stehen inzwischen somit seltener am Ursprung einer Empörungswelle.

Der Tweet hat 2018 für große Empörung auf Twitter gesorgt und wurde dann zur großen Debatte über politische Korrektheit in allen Medien.

Diese Situation hat Dr. Hanne Detel anhand einiger Beispiele erklärt, die auch Grundlage ihrer Forschung sind. Egal ob Chelsea Manning (geb. Bradley E. Manning), die 2010 vertrauliche Informationen der United States Army veröffentlicht hat oder ein Programmhinweis vom MDR Sachsen mit „Neger“ im Text (Ursprungstweet s. o.), alle haben für massive öffentliche Empörung im Netz gesorgt.

Wie kommt es zu Empörungsskandalen?

Zur Ursachenforschung eines solchen entfesselten Skandals hat Dr. Hanne Detel Thesen erarbeitet. Demnach könne jeder in der Digital-Ära einen Skandal auslösen und gleichzeitig jeder zum Opfer werden. Das Publikum habe die Macht über die Information, während klassische Medien an Einfluss verlieren. Durch eine neue Gewichtung der Informationsbeurteilung stehe Anlass und Effekt oft in einem deutlichen Missverhältnis und die Kontrollmöglichkeiten sollen dramatisch abgenommen haben. Die Folgen eines solchen Skandals seien für Betroffene meist dramatisch, sie seien jedoch nicht gut oder schlecht, sondern können Aufklärung oder Pranger bedeuten.

Wie kommt es zu dieser massiven Empörung und enthemmten Kommunikation unter Menschen? Als Ursachen hat Dr. Hanne Detel eine gefühlte digitale Anonymität der Empörten ausgemacht. Die Menschen seien physisch unsichtbar und kommunizierten asynchron. Gleichzeitig bestehe eine reine Fantasievorstellung der anderen Nutzer, die zum Zeitpunkt der Kommunikation oftmals abwesend sind.

Zusätzlich zu den individuellen Eigenschaften eines Empörten findet Prof. Dr. Pörksen weitere gesellschaftliche Gründe für die Empörungskultur:  “Wahrheitskrise”, “Diskurskrise”, “Autoritätskrise”, “Behaglichkeitskrise” und “Reputationskrise”.

Lösungsansätze für Journalisten

Gerade Journalisten sind in ihrer täglichen Arbeit immer wieder mit empörten Menschen und Skandalen konfrontiert. Dr. Hanne Detel hat dafür einige Handlungsempfehlungen herausgearbeitet. Demnach braucht es ein richtiges Skandalmanagement.

 

Weiterführende Informationen:
Leitfaden zu Hasskommentare im Netz Steuerungsstrategien bei der Medienanstalt NRW

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