How To Flausch – Praxistipps für Medienmacher

Auf den Social-Media-Kanälen vieler Medienhäuser sind die Diskussionen der NutzerInnen oft von einer enormen Gereiztheit geprägt. In einem Workshop mit Michael Würz, Onlinechef des Zollern-Alb-Kuriers, und Thomas Koch, Moderator bei WDR 5, haben wir Tipps entwickelt, wie MedienmacherInnen trotzdem gelassen bleiben.

Mehr Vertrauen durch Transparenz

Die Erkenntnis, dass das Vertrauen in die Medien, aber auch in die Politik, in den letzten Jahren nachgelassen zu haben scheint, ist nicht neu. Egal ob dieses Empfinden daher rührt, dass die wenigen kritischen Stimmen lauter geworden sind oder ob es den Tatsachen entspricht – MedienmacherInnen sollten ihre Arbeit überdenken.

Dass Redaktionen und Sender sich dazu verleiten lassen, in außergewöhnlichen Geschichten zu baden und auf der stetigen Suche nach dem Extravaganten den Alltag der Allermeisten vergessen, produziert genauso wenig Vertrauen oder Nähegefühl wie vollkommen unkritische Berichterstattung.

 

Mehr Vertrauen durch Transparenz

MedienmacherInnen müssen Fakten, Analyse und Meinung klar trennen und transparent machen, auf welche Quellen sie sich beziehen und warum sie über welche Themen berichten. Nur so lassen sich die Vorwürfe einer falschen oder ideologisch gefärbten Berichterstattung entkräften, die in der aktuellen gereizten Atmosphäre häufig von NutzerInnen geäußert werden.

Wieso nicht mal versuchen, LeserInnen und HörerInnen und deren Zweifel mit einer totalen Transparenzoffensive einzufangen und einfach mal die ChefredakteurIn in die Radiosendung holen, damit sie die Themenauswahl der Redaktion erklärt? Wenn in jedem Bereich der Medienarbeit das A und O Transparenz heißt, wird Misstrauen quasi unmöglich.

 

Beware of Framing!

Da Begriffe immer öfter von bestimmten InteressensvertreterInnen besetzt und geframt werden, muss auch dies klar aufgezeigt werden. Nur so werden die Motive dieser “Meinungsmacher” deutlich und kreative, neue Beschreibungen können gefunden werden. Dafür müssen Tatsachen auch gar nicht negiert werden, es reicht vollkommen aus, realistische Zustände als neue Wahrheiten zu beschreiben.

Die Hoffnung bleibt, dass der Vertrauensverlust noch gar nicht so groß ist wie befürchtet und dass alle, die bisher als stille MitleserInnen die Kommentarspalten unter Artikeln besuchen, eigentlich mit der Arbeit von Medien einverstanden sind und das auch zeigen werden.

 

Haltung annehmen, bitte!

Das Grundgesetz ist das Fundament jeden journalistischen Arbeitens – über diesen Punkt gab es keinerlei Diskussion. Für den Umgang mit provozierenden Kommentatoren gilt: Wer mitreden möchte, muss sich auch an die Spielregeln halten. Wie die Netiquette konkret aussieht, muss sich an den individuellen Grundsätzen jeder Redaktion orientieren.

Aber diese Grundsätze müssen eingehalten werden. Eine Redaktion darf sich dabei nicht von populistischen Äußerungen verunsichern lassen. Denn nur davon, dass ihnen weiterhin eine Bühne geboten wird, ändert sich deren Einstellung gegenüber den Medien nicht.

 

Kapazitäten/Ressourcen

Die Bespielung der Social-Media-Kanäle einer Redaktion und die Verwaltung des Feedbacks aus dem Publikum nimmt Zeit in Anspruch. Mehr Zeit, als viele ChefredakteurInnen ihrem Team zugestehen. Um den Kommentarfluss in den verschiedenen Plattformen verantwortungsvoll moderieren zu können und damit Gelassenheit für MedienmacherInnen und -konsumentInnen gleichermaßen zu schaffen, ist es schlicht unabdingbar, an dieser Stelle mehr Arbeitskraft zu investieren.

Das heißt auch: neue Stellen schaffen. Selbst, wenn in der Kommentarspalte zu einem kontroversen Thema kein hitziger Konflikt ausbricht: Online-RedakteurInnen sehen sich häufig mit Fragen aus ihrer Community zu Themen konfrontiert, die sie nicht selbst bearbeitet haben. Beiträge erreichen, nachdem sie in den sozialen Medien publiziert wurden, schließlich ein anderes Publikum als über den Sender.

Idealerweise ist die Redaktion dann so strukturiert, dass die zuständige ModeratorIn bei inhaltlichen Rückfragen erreichbar ist. Eine Alternative wäre, die Rechercheergebnisse zur Verfügung zu stellen.

 

Passt auf euch auf!

Wie bleibt man als Social-Media-RedakteurIn psychisch gesund, wenn man tagtäglich in diesem Maß Hass und Hetze konfrontiert wird? Das Geheimrezept ist ein privates Umfeld, auf das man sich verlassen kann und Kollegen, die aufeinander Acht geben.

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