Das Liebesbattle – Radio vs. Podcast

Nicht-RadiomacherInnen erzählen von ihrer Liebe zum Audio – große Hymnen auf den Podcast und Erfahrungen in einer boomenden Branche.

Bei der letzten Podiumsdiskussion der Konferenz sollten VertreterInnen der Audiowelt außerhalb des Radios zu Wort kommen. Und so ging es um die Neuentdeckung privater Medienhäuser: den Podcast.

Zu Gast waren zum einen drei Podcasterinnen. Zunächst sprachen Sandra Sperber, die mit „Stimmenfang“ von Spiegel Online die politische Stimmung in Deutschland analysiert, sowie Tina Hüttel und Jenni Roth, die mit Volontären des Springer Verlags die mehrteilige Audioserie „ALYOM“ produzierten.

Um einen noch tieferen Blick hinter die Kulissen der Podcast-Produktion zu wagen, waren zudem zwei Vertreter des Podcast Vertriebs, Marc Krüger von Ströer News Publishing und Tim Kehl, Programmbeauftragter für Podcasts bei Audible, zu Gast.

 

Die Planung: ein detailliertes Konzept oder einfach drauf los?

In einem Punkt waren sich alle SprecherInnen einig: die eigene Produktion sollte kein „Laberpodcast“ sein.

Doch unterschieden sich die Herangehensweisen allein im Bezug auf die Planung ihrer Produktionen bereits erheblich. Sandra Sperber berichtete von relativ spontanen Aufnahmesituationen in kleinen Räumen irgendwo im riesigen Spiegelgebäude und von O-Tönen, welche sie den Gästen von ihrem Handy aus vorspielt.

Dagegen werden allein die Formatideen für Audible-Podcasts über Call-for-Paper eingeholt, Pilotfolgen durch aufwendige Kundenumfragen ausgewertet und alle Aspekte der Produktion haarklein analysiert und zuvor geplant.
Es zeigten sich also extreme Unterschiede im Arbeitsaufwand, was aber nicht unbedingt verwundern muss, denn die Podcastproduktionen von Audible verstecken sich beispielsweise hinter der Paywall des Unternehmens.

Und immer wieder kam die Sprache auch auf die erfolgreichen Podcast-Ikonen aus den USA, wie „The Daily“ oder die Serie „Serial“, von denen ausnahmslos alle begeistert und inspiriert waren.

Insgesamt scheinen die MacherInnen von Produktionen der Medienhäuser weit freier in ihrer Formatentwicklung und der Mut zu unkonventionellen Ideen ist groß.
Nicht zuletzt das macht sie so erfolgreich und könnte auch klassische RadiomacherInnen in ihrem Mut bestärken, auch mal längere, auf den ersten Blick vielleicht auch sperrigere Sendungen zu wagen.

 

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Über Zahlen wollten (und durften) die AudiomacherInnen nicht sprechen und so kam es immer wieder zu einem Slalom um die Frage der Hörerzahlen.
Dennoch wurde klar, dass sie für alle unterschiedliche Rollen spielen.
Wenig überraschend war auch, dass Tim Kehl von Audible am besten über die eigenen Hörerzahlen Bescheid zu wissen schien. Sandra Sperber hingegen gab zu, die Zahl der Abonnenten ihres Podcasts gar nicht genau zu kennen, was zumindest in Teilen jedoch auch technisch bedingt zu sein schien.

 

So kontrolliert man Höreraufrufe und Feedback

Auch in Sachen Hörerfeedback waren erhebliche Unterschiede bemerkbar.
Während die Promotion des einen Podcast komplett vom Verlagshaus übernommen wird und dadurch kaum Kontakt zu Hörern zustande kommt, rufen andere in ihren Formaten selbst die Hörer zu Feedback auf.

Natürlich kommt es hier auch darauf an, inwiefern die Produktion eines laufenden Formates durch Feedback beeinflusst werden kann oder ein Format bereits abgeschlossen veröffentlich wird.

Interessant war hier Sandra Sperbers Trick gegen Trolle im eigenen Mail-Postfach: Die Kontaktadresse erst am Ende der Sendung bekannt geben, damit vor allem die Hörer schreiben, die die Sendung auch bis zum Schluss gehört haben.

Dadurch seien ihre Hörerzuschriften qualitativ sehr hochwertig und werden dann auch sehr gewissenhaft beantwortet.

 

Nichts als Liebe für die Ohren

Am Ende waren sich alle einig: in ihrer Liebe zum Audio. Die gibt es sowohl auf Seiten der ProduzentInnen, als auch bei den HörerInnen, wie der aktuelle Podcast-Boom zeigt.

Aber ist diese Liebe die gleiche, wie die der klassischen RadiomacherInnen?

Deshalb habe ich sowohl VertreterInnen der klassischen Radiofraktion, als auch Podcastschaffende gefragt, worin für sie der Reiz des Audios besteht.

Dabei heraus kam ein kleines Battle der Liebeserklärungen an das Audio.

Während die einen vor allem die Produktion reizt, ist es für die anderen das Hörerlebnis, welches die größte Faszination ausübt.

Zunächst erzählt Sandra Sperber, Reporterin bei Spiegel-Online und Macherin des “Stimmenfang”-Podcasts, wie ihre Liebe zu Audio entstand:

 

Ein bisschen anders hörte sich das dann bei Tim Kehl von Audible und Sandra Müller von SWR an.
Obwohl Sandra in diesem Liebesbattle die Vertreterin der klassischen Radiowelt ist, waren sich beide dann doch relativ einig darüber, was an Audio so faszinierend ist:

 

Insgesamt ist die Begeisterung für Audio nicht nur bei den Radiotagen weiter groß. Nur ob die Unterscheidung zwischen Podcast- und Radioformaten an sich eine Zukunft hat, bleibt abzuwarten.

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