Für mehr Geschichte(n) in Podcasts

“Eine Stunde History” von Deutschlandfunk Nova ist eines der erfolgreichsten Podcast-Formate des Senders. Wieso sind Geschichtspodcast gerade so angesagt?

In der Schule war das Fach Geschichte für viele vor allem eines: langweilig. Kein leichter Job also, die Begeisterung beim Publikum für dieses Thema zu entfachen, oder? Matthias von Hellfeld ist da anderer Meinung. Der Redakteur von Deutschlandfunk Nova hat die Sendung entwickelt und stellt fest, dass Geschichte gerne gehört wird.

Die erfolgreichste Folge wurde seit September 2017 knapp 237.000 mal abgerufen – und das, obwohl sie “Die Kritik der reinen Vernunft” von Immanuel Kant behandelt. Ein schnödes, schwer verständliches Thema, mag man meinen, aber die Zahlen sprechen für sich.

 

Erfolgreiche Geschichtspodcasts haben zwei Dinge gemeinsam

Aber auch private Geschichtspodcasts finden ihre HörerInnen, wie Nora Hespers anhand von Beispielen wie Zeitsprung, Staatsbürgerkunde oder ihrem eigenen Projekt “Die Anachronistin” zeigt.

Das liegt daran, dass diese Podcasts in ihrem eigenen Tempo erzählen, so Nora. Es kann und darf schon mal dauern, bis sich ein Thema entfaltet.

Gemein haben diese “Hobby-Podcasts” und “Eine Stunde History” außerdem die persönliche Erzählweise. Bei einem guten O-Ton achtet auch Matthias nicht streng auf die Zeit. Vor allem das Persönliche wie eine Anekdote mit Bezug zu unserem Alltag sei das, was Geschichte anschaulich macht.

Matthias denkt, dass der Blick in die Vergangenheit Fragen beantworten kann und dabei hilft, die Gegenwart zu verstehen. Das könnte ein Grund sein, weshalb Geschichtspodcast momentan so beliebt sind: sie bieten Orientierung in einer komplexen Welt.

 

Gute Geschichten lassen sich als Podcast auch in wenigen Stunden umsetzen

Geschichte also mit Hilfe von Geschichten erzählen, das sei ein guter Ansatz, um sie greifbar zu machen. Im Workshop “Geschichte(n) erzählen: 30 Jahre Grenzöffnung und Friedliche Revolution in der DDR” teilten Nora und Matthias ihre Gedanken und Erfahrungen. Weil nächstes Jahr die Wende Jubiläum feiert, haben die beiden sie als Thema für die Kreativitätsanregung gewählt.

In einer Brainstormingrunde überlegten die TeilnehmerInnen, wie sie das Thema umsetzen könnten. Viele dachten dabei an Zeitzeugenberichte, und es wurde klar, dass diese gar nicht sonderlich spektakulär sein müssen, um spannend zu klingen.

 

Einfach machen

Bis zum Abend waren in Kleingruppen schließlich drei Demos entstanden. Die sorgten für Überraschung, denn es ging doch ziemlich schnell, eine erste Idee umzusetzen. Mancher Radioprofi staunte, wie schnell ein Gespräch aufgenommen und geschnitten oder ein Trailer produziert werden kann.

Nora plädierte deshalb dafür, einfach einmal auszuprobieren, die entstandenen Ideen und Konzepte weiterzuverfolgen. Das geht mit erschwinglicher Technik und zur Not auch im Heimstudio. Denn es sind die Geschichten, die Geschichte ausmachen. Oder eben einen guten Podcast.

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Eine Stunde History
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